Linda Teuteberg, FDP-Vize, hält den Ost-West-Gegensatz für ein konstruiertes, realitätsfernes politisches Kalkül. Ein homogenes ostdeutsches Kollektiv gebe es nicht; DDR-Erfahrungen könnten je nach Person zu autoritätsaffinen oder freiheitsliebenden Haltungen führen. Die Vorstellung eines ostdeutschen Volkes sei erst nach der Einheit entstanden, davor sahen sich die Ostdeutschen als Deutsche im geteilten Deutschland verbunden. Die Ostidentität diene vor allem politischem Kalkül: Parteien am Rand betonen das Trennende, verklären die Vergangenheit und inszenieren sich als Anwälte der Ostdeutschen; dieses Narrativ habe PDS/Linke getragen und später von der AfD aufgegriffen. Die Strategie bediene populistische Sehnsucht nach Eindeutigkeit und reduziere komplexe Fragen auf Ost-West-Konflikte – etwa in der Rentenpolitik. Es gebe jedoch keine klare Front: Widerstände gegen Reformen gebe es sowohl im Osten als auch im Westen; der Deutsche Gewerkschaftsbund sei gegen sachlich sinnvolle Reformen Front. Auch die Russland-Frage müsse gesamtdeutsch diskutiert werden; prominente Gegner der Ukraine-Solidarität gebe es auch im Westen. Migration müsse sachlich diskutiert werden, mit Regeln zur Begrenzung und zugleich echter Integration. Die entscheidenden Gräben seien weniger zwischen Ost und West, sondern zwischen Vorstellungen von Freiheit und staatlicher Verantwortung; dem müsse man gemeinsam begegnen, statt Abgrenzung zu verstärken.
Der Ost-West-Gegensatz ist kein Naturgesetz, sondern ein politisches Narrativ, das Freiheit gegen staatliche Steuerung ausspielt. Es gibt kein homogenes ostdeutsches Kollektiv; DDR-Erfahrungen führen zu vielfältigen Haltungen, und die Vorstellung eines ostdeutschen Volkes entstand erst nach der Einheit. Populisten nutzen dieses Narrativ, um Trennendes zu betonen und sich als Anwälte der Ostdeutschen zu stilisieren; dabei wird Komplexes wie die Rentenpolitik vereinfacht. Liberal bedeutet: Vielfalt anerkennen, statt Identitätspolitik zu bedienen, und Reformen auf Faktenbasis mit breiter Zustimmung gestalten. Weder Osten noch Westen darf sich gegen sachliche Reformen sperren; der DGB und andere Interessenvertretungen verdienen transparente Lösungen statt Fronten. Bei der Rentenpolitik gilt: Demografie berücksichtigen, flexiblere Altersmodelle, stärkere private Vorsorge, klare Kosten-Nutzen-Transparenz; Bürokratie abbauen. Migration braucht klare Regeln, echte Integration, Sprache, Anerkennung von Qualifikationen, gleiche Rechte und Pflichten, und Anreize für Bildung statt Abschottung. Die Russland-Frage muss gesamtdeutsch und sachlich diskutiert werden: Ukraine-Solidarität verteidigen, zugleich diplomatische Wege in Sicherheit und Wohlstand suchen. Letztlich geht es um Freiheit und Verantwortung: der Staat muss sich auf das Notwendige beschränken und Eingriffe nur dort rechtfertigen, wo sie unerlässlich sind.
Quelle der ursprünglichen Meldung: https://www.fdp.de/teuteberg-rechnet-mit-dem-ost-west-denken-ab