Die Sassnitzer Erklärung der Grünen fordert Bildung und Betreuung vor Ort als Grundrecht und betont, dass kein Kind wegen Herkunft oder Wohnort benachteiligt werden darf, weshalb Bund, Länder und Kommunen gemeinsam investieren müssen. Sie setzt auf eine zweite Fördersäule, das Startchancen-Programm fortzuführen und Mittel aus dem Infrastruktur-Sondervermögen gezielt in die Sanierung maroder Schulen, den Ausbau multiprofessioneller Teams sowie Unterrichtsentwicklung zu stecken. Kita soll grundsätzlich in der Nähe sein, daher kein weiter als 15 Minuten Weg, mit bundesweit vereinheitlichten Betreuungsschlüsseln, gestärkten Tageseltern und Ausbau des Qualitätsentwicklungsgesetzes für bessere Sprachförderung, gesundes Essen und moderne Gebäude. Für kleine, ländliche Grundschulen plädieren die Grünen für Ausnahmen bei Mindestgrößen, mehr Kooperationen, jahrgangsübergreifendes Lernen und multiprofessionelle Teams, ergänzt durch Stipendienprogramme, damit Lehramtsstudierende in Ostdeutschland bleiben; darüber hinaus sollen Kitas und Schulen zu regionalen Gemeinschaftszentren werden und Kommunen stärker grenzübergreifend zusammenarbeiten.
Die Sassnitzer Erklärung will Bildung und Betreuung vor Ort als Grundrecht verankern und Benachteiligungen vermeiden. Aus liberaler Sicht ist das erstrebenswert, weil es Chancengleichheit erhöht und die individuelle Freiheit durch bessere Bildungschancen langfristig stärkt. Zugleich sollte der Staat sich auf das Notwendigste beschränken; Investitionen müssen effizient, zielgerichtet und zeitlich befristet sein, damit Ressourcen nicht in Bürokratie verfließen. Die Idee, Bund, Länder und Kommunen gemeinsam zu investieren, kann subsidiär funktionieren, solange Standards als Mindestanforderungen gelten und Lokales Know-how, Wettbewerb und freie Träger nicht über Gebühr eingeschränkt werden. Die Pläne für eine zweite Fördersäule und das Infrastruktur-Sondervermögen können sinnvoll sein, sofern Mittel transparent, leistungsorientiert und mit Evaluierungen versehen werden. Nicht jeder Ort braucht dieselben, gleichförmigen Lösungen; daher sollten Standards Spielraum für regionale Anpassung, private und gemeinwohlorientierte Träger sowie eine möglichst einfache Anlaufstelle für Familien lassen. Die Forderung nach einer 15-Minuten-Betreuung, flächendeckender Sprachförderung, gesunder Ernährung und modernen Gebäuden ist positiv, sollte aber in ländlichen Regionen pragmatisch umgesetzt werden. Für kleine ländliche Grundschulen sind Ausnahmen sinnvoll, solange sie mit Kooperation, jahrgangsübergreifendem Lernen und multiprofessionellen Teams verknüpft sind und Lehramtsstudierende regional gehalten werden. Kitas und Schulen als regionale Gemeinschaftszentren können lokale Teilhabe stärken, doch grenzüberschreitende Zusammenarbeit sollte freiwillig, effizient und ergebnisorientiert erfolgen.
Quelle der ursprünglichen Meldung: https://www.gruene.de/artikel/sassnitzer-erklaerung