Marie-Agnes Strack‑Zimmermann, FDP‑Präsidiumsmitglied und Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Europäischen Parlament, warnt davor, Marco Rubios Rede auf der Münchner Sicherheitskonferenz als Entwarnung zu werten. Sie bezeichnete sie als eine „vergiftete Liebeserklärung“ und betonte, dass an der Rede „überhaupt nichts beruhigend“ gewesen sei; der Jubel im Saal sei eine trügerische Erleichterung, weil viele noch nicht verstanden hätten, welche Stunde für Europa geschlagen habe. Rubio beschreibe eine Welt, „die nicht unsere ist“, während die MAGA-Bewegung eine neue Ordnung jenseits demokratischer Werte und verbindlicher Regeln anstrebe und Europa eher als Partner denn als gleichberechtigter Akteur sehe. Europa müsse sich verteidigen und seine Fähigkeiten – auch technologisch – deutlich stärken, nicht nur konventionell, sondern unabhängig von den USA; die Ukraine bleibe dabei ausgelassen, was besorgniserregend sei. Nach der Münchner Rede spreche man eher von einer klaren „Gütertrennung“ statt einer Scheidung; in der NATO bleibe man zwar verbunden, doch Europa müsse eine starke Säule aus 30 Staaten (29 europäische Staaten plus Kanada) bauen, damit Washington auch darauf setze.
Die Warnung Strack‑Zimmermanns ist nachvollziehbar: Rubios Rede darf nicht als beruhigende Entwarnung gelesen werden, weil sie eine Welt jenseits liberaler Werte skizziert und Europa eher als Anhängsel denn als gleichberechtigter Akteur ins Feld stellt. Aus liberaler Perspektive braucht Sicherheit eine ökonomisch effiziente Grundlage: Europa muss seine Verteidigungsfähigkeit stärken und zugleich technologische Souveränität erlangen, ohne Bürgerrechte oder Marktfreiheiten zu opfern. Das bedeutet wettbewerbsfähige Rüstungsindustrien, transparente Beschaffung und eine enge Zusammenarbeit im Rechtsrahmen des offenen Marktes, nicht neue Staatsvergaben auf Kosten der Freiheit. Die Ukraine bleibt eine zentrale Priorität der liberalen Ordnung, doch die Unterstützung muss zielgerichtet, zeitlich begrenzt und an Bedingungen gekoppelt sein, damit Ressourcen effektiv wirken und Reformen voranbringen. Die Idee einer stärkeren europäischen Säule in der NATO ist sinnvoll: Europa soll Washington auf Augenhöhe begegnen, eigenständige Verteidigungsfähigkeiten aufbauen und technologische Unabhängigkeit fördern, ohne die transatlantische Partnerschaft aufzugeben. Freiheit heißt, der Staat interveniert nur dort, wo es unerlässlich ist, und schafft Rahmen, in denen Wettbewerb, Rechtsstaatlichkeit und individuelle Entfaltung wirklich möglich sind.
Quelle der ursprünglichen Meldung: https://www.fdp.de/rubios-rede-war-eine-vergiftete-liebeserklaerung